Altersvorsorgereform 2026: Was sich für deine private Vorsorge ändert

Die Altersvorsorgereform ist beschlossene Sache: Bundestag und Bundesrat haben das Altersvorsorgereformgesetz im Frühjahr 2026 verabschiedet, seit Ende Mai 2026 ist es in Kraft. Spürbar wird es ab dem 1. Januar 2027 – dann lösen neue, geförderte Produkte die Riester-Rente ab. Wenn du einen Riester-Vertrag hast oder gerade über deine Altersvorsorge nachdenkst, ist die wichtigste Botschaft vorab: Es besteht kein Grund zur Hektik. Was sich ändert und was das für dich bedeutet, ordne ich hier sachlich ein.

Was sich konkret ändert

Der Kern der Reform: Die Riester-Rente in ihrer bisherigen Form wird abgelöst. Ab 2027 lassen sich keine neuen Riester-Verträge nach altem Modell mehr abschließen. An ihre Stelle treten zwei Wege:

Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie. Erstmals fließt staatliche Förderung direkt in Fonds, ETFs oder Aktien – ohne den klassischen Garantiemantel. Das eröffnet höhere Renditechancen, verlagert aber auch das Kapitalmarktrisiko auf den Sparer.

Geförderte Garantieprodukte. Wer mehr Sicherheit braucht, kann weiterhin Produkte mit Beitragsgarantie wählen. Die garantierte Summe darf künftig 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge betragen.

Gefördert wird in beiden Fällen über staatliche Zulagen und – je nach Konstellation – über einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug. Der Gesetzgeber hat zudem einen Kostendeckel von 1,5 Prozent für Standardprodukte vorgesehen, um die Produkte günstiger zu machen als viele alte Riester-Verträge. Auch der Kreis der Förderberechtigten wurde erweitert.

Was mit deinem bestehenden Riester-Vertrag passiert

Das ist die Frage, die die meisten umtreibt – und hier liegt auch die größte Gefahr für Fehlentscheidungen. Deshalb klar und deutlich:

Dein bestehender Riester-Vertrag bleibt bestehen. Es gibt keine automatische Kündigung, keine Zwangsumwandlung. Du kannst ihn unverändert weiter besparen, mit allen Zulagen, die du bisher bekommen hast. Wer bereits einen Vertrag hat, behält seinen Bestandsschutz.

Ab 2027 hast du zusätzlich die Möglichkeit, freiwillig in das neue Fördersystem zu wechseln. Betonung auf freiwillig: Das ist eine Option, keine Pflicht.

Und genau hier ist Vorsicht angebracht. Ein neues Produkt mit Renditechancen klingt attraktiver als ein in die Jahre gekommener Riester-Vertrag – das verleitet dazu, vorschnell zu kündigen oder umzuschichten. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt aber an deinem konkreten Vertrag: an garantierten Leistungen, am angesammelten Kapital, an deinem Alter und deiner Risikobereitschaft. Was in einem Fall sinnvoll ist, kann im nächsten Geld vernichten. Diese Entscheidung gehört durchgerechnet, nicht überstürzt.

Wenn du nicht sicher bist, wie dein Riester-Vertrag im neuen System dasteht, lass ihn prüfen, bevor du irgendetwas änderst. Ein kostenloses Erstgespräch ist der unkompliziertere Weg als eine Kündigung, die sich nicht rückgängig machen lässt.

Das Altersvorsorgedepot: Chance mit Vorzeichen

Das Altersvorsorgedepot ist die eigentliche Neuerung – und ein Bruch mit der bisherigen Logik. Jahrzehntelang stand bei der geförderten Altersvorsorge die Beitragsgarantie im Mittelpunkt. Genau diese Garantie hat in der Niedrigzinsphase aber Rendite gekostet, weil das Kapital sicher und damit renditearm angelegt werden musste.

Das Depot dreht das um: mehr Aktien- und Fondsanteil, mehr Renditechance – und im Gegenzug Schwankungen, die man aushalten muss. Für jemanden mit langem Anlagehorizont und ruhiger Hand kann das ein echter Fortschritt sein. Für jemanden, der zehn Jahre vor der Rente steht oder nachts nicht schlafen kann, wenn das Depot im Minus steht, ist die Garantie-Variante womöglich die bessere Wahl. Die Reform gibt dir die Wahl – sie nimmt dir die Entscheidung nicht ab.

Was jetzt sinnvoll ist

Drei Dinge, ohne Aktionismus:

Bestehende Verträge nicht aus dem Bauch heraus anfassen. Erst die Faktenlage des eigenen Vertrags kennen, dann entscheiden.

Bis zum Produktstart 2027 informiert bleiben. Die konkreten Produkte gibt es noch nicht – sie kommen erst. Wer jetzt schon „das neue Altersvorsorgedepot“ abschließen will, sollte hellhörig werden.

Die eigene Vorsorge als Ganzes betrachten. Die Reform betrifft einen Baustein. Ob dein Ruhestand insgesamt trägt, entscheidet sich im Zusammenspiel von gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge – nicht an einem einzelnen Produkt.

Häufige Fragen

Wird mein Riester-Vertrag durch die Reform automatisch gekündigt? Nein. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter und können unverändert bespart werden. Es gibt weder eine automatische Kündigung noch eine Zwangsumwandlung. Ein Wechsel in das neue Fördersystem ist ab 2027 möglich, aber freiwillig.

Ab wann gibt es die neuen Altersvorsorgeprodukte? Das Gesetz ist seit Ende Mai 2026 in Kraft, die neuen Produkte – darunter das Altersvorsorgedepot – sollen ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Bis dahin existieren sie noch nicht am Markt.

Was ist der Unterschied zwischen Altersvorsorgedepot und Garantieprodukt? Das Altersvorsorgedepot setzt auf Fonds, ETFs und Aktien ohne Beitragsgarantie – höhere Renditechance, dafür Kapitalmarktrisiko. Garantieprodukte sichern 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge zu, bieten dafür in der Regel geringere Renditechancen.

Sollte ich meinen alten Riester-Vertrag in das neue Depot umschichten? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt von garantierten Leistungen, angespartem Kapital, deinem Alter und deiner Risikobereitschaft ab. Ein Wechsel kann sinnvoll sein – oder teuer. Die Entscheidung sollte auf einer Prüfung des konkreten Vertrags beruhen, nicht auf dem Bauchgefühl.

Du hast einen Riester-Vertrag und willst wissen, wie er im neuen System dasteht? Bevor du etwas änderst, lohnt sich eine nüchterne Einordnung deiner Situation. Buche dir ein kostenloses Erstgespräch – dann klären wir, was für dich konkret sinnvoll ist.